Nachrichten

Angedacht – Wie klingt der Himmel?


1. Juni 2026

Wie klingt der Himmel? Viele Bilder von der Ewigkeit sind etwas für die Augen: ein helles Licht, ein Paradiesgarten, Menschen, Engel, Gottes Thron… aber wie klingt der Himmel?
Die Frage stellt ein altes schlesisches Osterlied:

In kurzem wach ich fröhlich auf mein Ostertag ist schon im Lauf; ich wach auf durch des Herren Stimm, veracht den Tod mit seinem Grimm. Halleluja.“  (Johann Heermann 1630, EG 111 Str. 5) 

Wie schön ist es, eine vertraute Stimme zu hören. „Ach, du bist es!“ Wie wohl Gottes Stimme klingt? Und wie schön es sein muss, sie zu hören? Von ihr geweckt zu werden? „Guten Morgen! Es ist Zeit zum Aufstehen. Der Tag hat schon begonnen.“ Von der Stimme Jesu wissen wir nicht viel. Ihr Klang wird in der Bibel nicht beschrieben. Aber er spricht davon:

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“  (Johannesevangelium 10, 11a und 27-28a) 

Wir hören Jesu Worte mit unseren Stimmen. Wenn wir selber in der Bibel lesen, aber auch wenn uns jemand vorliest: Manchmal kräftig und laut, manchmal zaghaft und unsicher, manchmal vernuschelt und kaum zu verstehen. Es gibt nicht eine Art, sie auszusprechen, sondern sehr viele. So viele, wie es Menschen gibt. Wenn wir Jesu Worte aussprechen, geben wir etwas vom Klang unseres Lebens dazu. Wir können gar nicht anders.
Vor wenigen Wochen ist Christoph Haase gestorben. Er war von 1991 bis 2002 Pfarrer in der Trinitatiskirchgemeinde. Kurz vor seinem 70. Geburtstag schrieb er ein Lied:

Du großer Klang in meinem kleinen Leben, du, Gott, aus dem das Wort erschaffend fließt. Dir will ich mich im tiefsten Wesen geben, bis endlich Wunderbares ewig mich umschließt.“ 

Da wird die ganze Welt zum Klangraum Gottes. Gottes Stimme schon hier erlebbar. Woran er wohl gedacht hat? An die frohe Botschaft der Vögel, die den Morgen besingen? An das Rascheln der Bibelseiten bei der Vorbereitung der nächsten Andacht? An die kunstvolle Abwechslung von lauten und ruhigen Tönen im Orgelspiel? Oder an das ruhige Gluckern eines Bachs?
Die Frage möchte ich gern weitergeben: Wo hören Sie den Klang Gottes in der Welt? Die Stimme Ihres guten Hirten? Der Sommer lädt ein, die Augen zu schließen und zuzuhören. Der Sommer lädt ein, auch mal nicht nur darauf zu achten, was gesagt wird, sondern wie es gesagt wird. Denn das macht einen großen Unterschied: Wie schön klingt ein „Danke“, das auch wirklich so gemeint ist. Oder ein „Hallo“, das Freude und Neugier ausstrahlt. Wie schön kann manchmal auch einfach nur ein Seufzen klingen: „Ach, geschafft.“
Du großer Klang in meinem kleinen Leben! Für Christoph Haase war Gottes Klang wirklich auch in den kleinsten Dingen zu finden:

Du spielst im Atemzuge, in meinem Blut pulst stetig deine Schöpferkraft. Kunstvoll wie eine Fuge durchhaucht dein Odem mich, der alles Leben schafft.“ 

Es ist eine Kunst, die Welt so zu sehen. Eine Kunst, die Jesus uns nahebringt. Im Lärmen der Welt spricht er von Gott und Gottes Liebe. Ich wünsche Ihnen deshalb viel Freude beim Entdecken der Klänge in unseren Gemeinden. Lassen Sie sich mit diesem Gemeindeboten gern einladen zu den vielen verschiedenen Angeboten für Auge und Ohr, Herz und Verstand.

Herzlich grüßt
Pfarrer Markus Löffler
(Angedacht im Juni&Juli-Boten 2026)